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Der Betrug
Man hat mich gesehen und kaufte mich prompt, denn ich bin ein Hund, der vom Züchter kommt. Und wird es nicht allenthalben empfohlen, man soll gute Hunde beim Züchter holen? Und alle Erwartungen trafen ein: Ich bin hübsch, lieb und kann auch folgsam sein.
Mich hat man am Strand draußen aufgelesen, da bin ich seit Monaten schon gewesen. Man hat mich getreten, es gab nichts zu fressen, dann stieß man mich weg und hat mich vergessen. Bin alt nun und krank, mein Herz tut mir weh. Hab nur gelernt, daß ich gar nichts versteh.
Ich wurde in einer Tonne geboren, meine Finder gaben mich schon verloren. Meine rechtes Ohr hängt, das linke blieb stehen, und auf einem Auge kann ich nicht sehen.Ich liebe die Menschen und weiß nicht warum. Sie finden mich häßlich, mickrig und dumm.
Ihr seht, ich bin hübsch und mein Fell ist glatt. Man pflegte mich gut in der großen Stadt. Sie haben mich sogar angezogen, operiert und die Ohren hochgebogen. Dann wurde ich an einen Baum gebunden, dort hat mich nach Tagen jemand gefunden.
Und du? Wer bist du? Hast noch nicht gesprochen. Hast bis jetzt mit der Nase am Gitter gerochen. Wenn sie kommen um einen auszusuchen verschmähst du all ihre Hundekuchen. Siehst niemanden an und willst dich nicht binden. Möchtest du keine neue Familie finden?
Eine Pause tritt ein. Niemand sagt ein Wort. Der Blick des Gefragten driftet weit fort. Sein Kopf ist erhoben , die Schultern gestrafft, der Körper ist mager und doch voller Kraft. Dann dreht er sich um, sein Schwanz fächelt leicht , der Wind, der von Norden herüberstreicht.
Der Blick seiner blauen Huskyaugen scheint sich am Fragenden festzusaugen. Versteht Ihr nicht, flüstert er in den Wind, daß wir nur eine Laune der Menschen sind? Sie wollen uns schaffen nach ihrem Gefallen und wissen doch nicht wohin mit uns allen. In dieser Sekunde sind wir schon verloren, denn es werden tausend Welpen geboren Wir sind viel zu viele, das ist der Betrug, denn Menschen bekommen niemals genug. Sie wissen es alle, doch die endlose Flut immer neuer Hunde gefällt ihnen gut. Die endlosen Züge der Überschußfracht sind im Tierheim ja wunderbar untergebracht.
Sanft hebt er die Schnauze, setzt an zum Gesang. Ein klagender Ton zieht die Gitter entlang. Eine Türe schlägt zu, und dann schweigt er still, weil das, was er weiß, niemand wissen will. Er legt sich nieder, bettet ruhig sein Haupt. Oh ja, es sind viele! Viel mehr, als man glaubt...
I. Winiawsky
Tief beschämt wurde ein Rowdy in New York, der den Hund seines Nachbarn erschossen hatte. Im Gerichtssaal hielt der Hundebesitzer eine kurze Rede, einfach und ohne Pathos, die eine überraschende Wirkung auslöste. Der Rowdy, der Hunde nicht leiden konnte, fand keine Worte zu seiner Verteidigung, sondern erklärte nur mit gebrochener Stimme: "Bestrafen Sie mich hart, Herr Richter". Die Leute auf den Bänken im Zuschauerraum horchten auf. Etwas erhöht, unter dem Sternenbanner, saßen die Richter, die weiß Gott keinen schwierigen Fall zu behandeln hatten. Auch sie blickten schweigend und betroffen auf den Angeklagten und den Hundebesitzer, der folgendes sagte:
"Nichts auf der Welt ist uns sicher. Deine eigene Frau mag dich verlassen, Deine Kinder mögen sich als undankbar erweisen, trotz aller Opfer, das du für sie gebracht hast. Deine besten Freunde, denen du jahrelang vertraut hast, können dich eines Tages betrügen. Du magst dein Vermögen verlieren. Dein Ruf, deine Ehre können in ein Nichts zerrinnen. Diejenigen, die am meisten von dir in die Knie gesunken sind, werden vielleicht die ersten Steine nach dir werfen, wenn sie dich nicht mehr brauchen. Der einzige, absolut uneigennützige Freund, den der Mensch in dieser selbstsüchtigen Welt haben kann, ist sein Hund. In der ärmsten Hütte ist er genauso glücklich wie im größten Palast; denn nur bei dir möchte er sein. Er ist der einzige, der dich nicht betrügt. Wenn du ein Bettler bist, bewacht und verehrt er dich, als wärest du ein Prinz. Wenn du von Haus und Hof vertrieben wirst, wenn sie alle, alle dich verlassen - nur er, dein Hund, verlässt dich nicht. Hast du kein Obdach mehr und musst im Freien schlafen, will er keine andere Belohnung, als bei dir zu sein. Auch wenn du verhungern müsstest, bliebe er dir treu. Er hungert mit dir und küsst und leckt die leere Hand, die ihm kein Futter reichen kann. Solltest du plötzlich tot umfallen, er weicht nicht von dir. Er muß eher erschossen werden, als daß er dich im Stiche ließe. Bist du dann in der kühlen Erde und er weiß die Stelle - dort an deinem Grabe findet man ihn. Er scharrt, als wolle er dich wieder ausgraben. Er legt seinen Kopf zwischen seine Pfoten und trauert um dich, dein bester Freund, dein Hund!" Die letzten Worte des Hundebesitzers kamen nur stockend über seine Lippen.
Im Zuschauerraum war es still, wie bei einem Gottesdienst. Die Richter schwiegen, der Angeklagte blickte beschämt zu Boden. Die ungewöhnliche Ansprache seines Nachbarn hatte ihn sichtlich erschüttert. "Bestrafen Sie mich hart, Herr Richter", das war der einzige Satz, den er hervorbrachte. Doch diese Forderung machte den ganzen Prozeß zu einem denkwürdigen Ereignis. Das Urteil hatte dann nur noch symbolische Bedeutung.
Tierheim Hinter einem Eisengitter - sitzt ein Hund, er weint so bitter habt ihr mich denn ganz vergessen - ihr Menschen, die mich einst besessen?
Wo seit ihr hin, ich kann´s nicht fassen - ihr habt mich hier...allein gelassen?
Draußen kommt die finstre Nacht - habt ihr an meine Angst gedacht? Kälte schleicht durch alle Ritzen - nirgendwo ein warmes Kissen.
Müde von dem langen Stehen - von dem Warten, von dem Sehen - von dem Weinen, von dem Jammern - such ich in den kalten Kammern - einen Platz um auszuruhn.
Um mich her sind andre Hunde - jeder ist für sich allein ängstlich heulen sie an Wände - gegen harten, kalten Stein.
Blanker Stein auf dem ich liege - feucht von meinem Seelenschmerz. Wo sind die Menschen, die ich liebe? Menschen...ohne Stein als Herz...
Lange konnte ich nicht glauben - dass ihr mich wirklich nicht mehr wollt! Bin immer hin und her gelaufen, hab geknurrt, und hab gegrollt.
Tagelang hab ich gewartet - kein Futter hab ich angerührt Wochen...sind darauß geworden...! - von Euch...kam niemand mehr zurück!
Lange hab ich überlegt - was hab ich Euch nur getan? Sicher war es furchtbar schlimm - sonst hättet ihr das nicht getan!
Draußen vor dem Eisengitter - gehen viele, Tag für Tag schauen oft zu mir herüber - aber keiner holt mich ab.
Manchmal kommen Kinder, die spielen auch mit mir doch wenn dann der Abend kommt - gehn sie heim und ich bleib hier!
Traurig stehe ich am Gitter - wedle freundlich jedem zu - wer mich anschaut...? kommt doch nicht wieder, egal ob ich noch wedeln tu...
Lange Zeit ist schon vergangen... - ich fühle nicht mehr diesen Schmerz irgendwo hab ich vergessen - wie er war, DER MENSCH MIT HERZ...!
(Gewidmet allen Hunden und Katzen, die jemals ein Tierheim von innen sahen, von Gisela Löbert)
BITTE EINES KETTENHUNDES Herr, ich bin nur ein armer Kettenhund steh´ nun vor Dir, mein Hals ist wund. Fast eingewachsen ist der Ring, mit dem ich an der Kette hing. Hab Ohrenschmerzen, bin fast blind von Regen, Schnee und kaltem Wind, von Rheuma steif sind meine Knochen, bin fast auf meinem Bauch gekrochen aus Angst vor meinem strengen Herrn; denn mich zu streicheln lag ihm fern, hätt´ gern gegeben alle Liebe, erhalten hab´ ich oft nur Hiebe, nur so - weil grad im Weg ich stand, und hätt´ so gern geleckt die Hand für ein wenig Zärtlichkeit, ein wenig Lob, wär´ gern bereit mein armes Leben hinzugeben könnt´ ich mein Aug´ zu ihm erheben und lesen dann in seinem Blick ein wenig Liebe - doch dieses Glück beschieden hier war es mir nie, war immer nur ein armes "Vieh". Bin noch nicht alt nach Menschenjahren und hab schon soviel Leid erfahren!
Doch steht einmal mein Herr vor Dir, dann bitt´ ich Dich, versprich es mir, ich fleh´ darum nicht ohne Grund schick ihn zurück als Kettenhund.
(Verfasser unbekannt)
ERWEISE MIR DEN LETZTEN DIENST Bin ich dereinst gebrechlich und schwach und quälende Pein hält ständig mich wach - was Du dann tun musst - tu es allein. Die letzte Schlacht wird verloren sein.
Dass du sehr traurig, verstehe ich wohl. Deine Hand vor Kummer nicht zögern soll. An diesem Tag - mehr als jemals geschehen - muss Deine Freundschaft das Schwerste bestehen.
Wir lebten zusammen in Jahren voll Glück. Furcht vor dem Muss? Es gibt kein Zurück. Du möchtest doch nicht dass ich leide dabei. Drum gib, wenn die Zeit kommt, bitte mich frei.
Begleite mich dahin, wohin ich gehen muss. Nur - bitte bleibe bei mir bis zum Schluss. Und halte mich fest und red mir gut zu, bis meine Augen kommen zur Ruh.
Mit der Zeit - ich bin sicher - wirst Du es wissen, es war Deine Liebe, die Du mir erwiesen. Vertrauendes Wedeln ein letztes Mal - Du hast mich befreit von Schmerzen und Qual.
Und gräme Dich nicht, wenn Du es einst bist, der Herr dieser schweren Entscheidung ist. Wir waren beide so innig vereint. Es darf nicht sein, dass Dein Herz um mich weint.
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